Noch sind die digitalen Veredelungsmaschinen von Scodix nur selten in Drucksälen anzutreffen. Dabei hat das Verfahren durchaus das Potenzial, zu einer echten Konkurrenz für den Siebdruck zu werden.

Langsam verschwinden ja die technologischen Animositäten: In den Maschinenparks der Druckereien produzieren immer öfters Offsetund Digitaldruckmaschinen nebeneinander.
Der Veredelungsspezialist Scodix folgt mit der ersten digitalen Veredelungsmaschine Scodix1200 dieser Entwicklung. Die Scodix verleiht Druckerzeugnissen in definierten Bereichen einen werbewirksamen Präge-Effekt, der eigentlich eine Relief-Lackierung ist. Die von Scodix benutzten Termini Digitalprägung oder Digital Embossing spielen auf die Anmutung der Veredelung an und sind sicherlich mehr der Marketingkreativität als dem Verfahren selbst geschuldet. Was bleibt, wenn das Marketing-Vokabular nicht genutzt wird, ist ein simpler Befund: Die Scodix ist nichts anderes als eine digitale Lackiermaschine.

Einprägend ohne Prägung
Scodix realisiert die Veredelung mit UV-Inkjet. Dickflüssiger UV-Lack in klaren Farben, glänzend oder matt und bis zu 70 Mikrometer stark, wird auf Offsetprodukte, digitale und ausgewählte laminierte Substrate aufgetragen. Es gibt unterschiedliche Stärkestufen der Spotlackierungen, die das Druckerzeugnis mit einem erhabenen Effekt versehen. Dieser verleiht Bildern, Grafiken und Texten eine tastbare Struktur. Die digitale Schnittstelle unterstützt das sogenannte Variable Data Embossing-(VDE-)Verfahren für individuell gestaltete Anwendungen wie Gruß- und Visitenkarten, Verpackungen, Briefpapiere, Fotoalben oder Web-to-Print-Anwendungen. Die Maschine speichert alle Bilddaten und kann Dateien sowohl im PDF- als auch im Tiff-Format in einer Vielzahl an Formaten von B2 und A3 bis maximal 50 x 70 Zentimeter verarbeiten. Die Bandbreite der Substratstärke umfasst 135 bis 500 Gramm pro Quadratmeter.

Wird Siebdruck ausgesiebt?

Noch gehört die Veredelungsmaschine nicht unbedingt zur Fundamentalausstattung von Druckereien. Für alle Druckereien, die „nicht nur vierfarbig vervielfältigen wollen“, halt Adrian Meyer, Geschäftsführer des Scodix-Vertriebspartners Chromos, die Scodix aber für eine Option. Bisher werden mit der Scodix 1200 vorrangig Werbe- und Verlagsdruckerzeugnisse veredelt. Daneben sind ebenso Produzenten hochwertiger Faltschachteln wie für die Kosmetikindustrie angesprochen. Wie last sich das Verfahren im Veredelungsspektrum einordnen? „Die Scodix ersetzt heute gängige Flachsiebdrucksysteme, die für diese Art von Veredelung verwendet werden“, erklärt Meyer. Die Flexibilität der Anwendung betont Ziki Kuly, Vice President Marketing bei Scodix: „Die Scodix 1200 arbeitet mit Produkten aller CMYK-Drucksysteme der großen Druckmaschinenhersteller, im Offset wie im Digitaldruck.“ Ein klar definiertes Alleinstellungsmerkmal hat das Digital Embossing schon: die mögliche Kombination aus optischer Verschönerung und der Personalisierung ab Auflage eins.

„Technologisch sehr interessant mit sehenswerten Ergebnissen“, bewertet Marcus Tralau, Geschäftsführer des Dresdner Maschinenbauers Kama, das Verfahren. Als Produzent von Veredelungsmaschinen weiß er ebenso, dass eine Scodix keine Maschine ist, die man sich einfach zusätzlich in seinen Veredelungspark stellt. „Ein solches Investment verlangt nach einem schlüssigen Geschäftsmodell.“ Bei der Vögeli AG nahe Bern sieht man für die Kombination aus haptischem Effekt und Individualisierung speziell im Mailingsegment durchaus Potenzial. „Wir konnten mit dem neuen Veredelungsangebot zusätzliches Geschäft und Kunden gewinnen“, berichtet Geschäftsführer Markus Vögeli. Und dafür wird sogar bezahlt: Bis zu 20 Prozent Aufpreis können mit dem Digital Embossing durchgesetzt werden. Auch die Kunden des Würzburger Online- Druckers Flyeralarm akzeptieren die Mehrkosten, weil der Nutzwert der Produkte und deren werbliche Wirkung massiv zugenommen haben. „Unser Ziel ist es, neue technologische Entwicklungen in unsere Produktionsprozesse zu integrieren und unser Produktsortiment sukzessive zu erweitern. Generell sehen wir im Bereich der Druckveredelung eine Möglichkeit, Druck zukünftig von digitalen Bildschirmmedien abzugrenzen“, erklärt erklärt Geschäftsführer Thorsten Fischer die Investition. Noch geheim: Neuheiten zur drupa Bei Flyeralarm sieht man die digitale Veredelung mit Inkjet-Technologie erst am Beginn und glaubt an deren Entwicklungspotenzial. Ansatzpunkte dabei: Die Maschine muss deutlich schneller und der Lack kostengünstiger werden. Auch ihr Handling ist ein bisschen komplexer, als für viele Drucker gewohnt: Die Druckdaten sind anders als im Offset aufzubauen, das ist im Workflow einzukalkulieren. Noch sind die Scodix-Systeme rar im Markt, auf der Drupa 2012 soll das aber geändert werden. „Neue Features werden die Einsatzgebieteo der Scodix weiter steigern“, verspricht Chromos-Experte Adrian Meyer.

 

Flyeralarm website – https://www.flyeralarm.com/de/